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Öltanker in Echtzeit verfolgen

Aktualisiert: 2026-04 · 8 Min. Lesezeit

1. Was ist AIS und wie funktioniert es?

Das Automatische Identifikationssystem (AIS) ist eine maritime Tracking-Technologie, die von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) für alle Schiffe über 300 BRZ auf internationalen Reisen vorgeschrieben ist. Jeder Tanker sendet alle paar Sekunden seine Position, Geschwindigkeit, Kurs und Identität über UKW-Funksignale.

Diese Signale werden von Küstenstationen und Satelliten empfangen und bilden ein globales Netzwerk für die Schiffsverfolgung. AIS-Daten umfassen:

  • Statische Daten (einmalig festgelegt): IMO-Nummer, MMSI, Schiffsname, Schiffstyp, Abmessungen
  • Dynamische Daten (kontinuierlich aktualisiert): Breiten-/Längengrad, Geschwindigkeit über Grund (SOG), Kurs über Grund (COG), Heading, Navigationsstatus
  • Reisedaten (von der Besatzung eingegeben): Zielhafen, ETA, Tiefgang

TankerMap sammelt AIS-Daten aus mehreren Quellen für eine umfassende Abdeckung der globalen Tankerflotte.

2. Tankertypen und -größen verstehen

Öltanker werden nach ihrer Tragfähigkeit (DWT) und nach dem typischen Einsatzgebiet klassifiziert. Diese Einordnung hilft, Routen, Tiefgang und Hafenwahl richtig zu lesen:

  • VLCC: 200.000–320.000 DWT. Rückgrat des Langstrecken-Rohöltransports, häufig zwischen Persischem Golf, China, Indien, Korea und Europa.
  • Suezmax: 120.000–200.000 DWT. Maximalgröße für eine voll beladene Passage des Suezkanals; wichtig für Schwarzes Meer, Westafrika und Mittelmeer.
  • Aframax: 80.000–120.000 DWT. Flexible Tanker für regionale Ölströme in Ostsee, Mittelmeer, Karibik und Südostasien.
  • Panamax: 60.000–80.000 DWT. Geeignet für kleinere Rohöl- und Produktladungen sowie ältere Kanalbeschränkungen.
  • LNG-Carrier: Spezialschiffe für verflüssigtes Erdgas bei etwa -162°C; sie gehören nicht zum Rohölsegment, sind aber auf TankerMap separat filterbar.

Nutzen Sie den Öltanker-Tracker für Rohöl- und Produkttanker, die Schiffsdatenbank für IMO/DWT-Details und das Glossar für Definitionen von DWT, AIS, Tiefgang und Schiffstypen.

3. Schiffsdaten auf der Karte lesen

Wenn Sie auf einen Schiffsmarker auf TankerMap klicken, prüfen Sie zuerst vier Datenblöcke:

Position und Bewegung: aktuelle Koordinaten, Geschwindigkeit über Grund (SOG), Kurs über Grund (COG) und Navigationsstatus. Ein Wert nahe 0 Knoten deutet oft auf Liegeplatz, Reede oder Ankerposition hin.

Schiffsidentität: Name, IMO-Nummer, MMSI, Flaggenstaat, Schiffstyp und Größenklasse. Die IMO bleibt über die Lebensdauer des Schiffes stabiler als Name oder MMSI.

Reisedaten: Zielhafen, ETA und Tiefgang. Zielangaben können von der Crew verspätet oder ungenau gepflegt werden, deshalb sollten sie mit Kurs, Hafenregion und letztem Track kombiniert werden.

Was der Tiefgang verrät: Ein VLCC mit mehr als 20 Metern Tiefgang ist wahrscheinlich beladen. Dasselbe Schiff mit 8 bis 10 Metern Tiefgang fährt meist in Ballast zurück. Öffnen Sie das Schiffsprofil, um Spezifikationen, aktuellen Track und letzte Beobachtung zusammen zu prüfen.

4. Wichtige Engpässe: Wo man beobachten sollte

Maritime Engpässe sind enge Wasserstraßen, durch die ein erheblicher Anteil der weltweiten Öl- und LNG-Ströme läuft. Wenn dort Wartezeiten, Umleitungen oder ungewöhnliche Ballastfahrten entstehen, sieht man das oft zuerst in AIS-Tracks:

  • Straße von Hormus — etwa 21 Mio. Barrel/Tag; zentral für Exporte aus dem Persischen Golf.
  • Straße von Malakka — etwa 16 Mio. Barrel/Tag; verbindet Indischen Ozean und Pazifik und ist wichtig für China, Japan und Korea.
  • Suezkanal — etwa 9 Mio. Barrel/Tag; verbindet Mittelmeer und Rotes Meer.
  • Bab el-Mandeb — etwa 6 Mio. Barrel/Tag; Risikoachse zwischen Rotem Meer und Golf von Aden.
  • Straße von Gibraltar — Verbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer.
  • Panamakanal — kleiner im Ölvolumen, aber relevant für Routenplanung und Wartezeiten.

Die Analytik für Meerengen zeigt tägliche Tankertransite. Für einzelne Routen sind besonders Hormus, Suez und Malakka nützlich.

5. Beladen vs. Ballast: Transportiert der Tanker Öl?

Einer der wichtigsten Analysepunkte ist die Frage, ob ein Tanker Ladung transportiert oder leer in Ballast fährt.

Tiefgang: Der zuverlässigste Hinweis. Ein beladener VLCC liegt oft bei 20 bis 22 Metern; in Ballast kann derselbe Tanker bei 8 bis 10 Metern liegen.

Geschwindigkeit: Beladene Tanker fahren häufig etwas langsamer, weil Verbrauch, Wetter und Chartervorgaben eine größere Rolle spielen.

Richtung und Hafenlogik: Ein Tanker vom Persischen Golf nach Asien ist häufig beladen; die Gegenrichtung deutet eher auf Repositionierung. Prüfen Sie dazu Hafenlinks, Zielangabe und die letzten AIS-Punkte.

TankerMap nutzt diese Signale für Marker, Filter und Schiffsprofile. Die Werte sind analytische Hinweise, keine amtliche Ladungsbestätigung.

6. Die Schattenflotte: Tanker, die verstummen

Die „Schattenflotte“ bezeichnet Tanker, die Besitzstrukturen verschleiern, westliche Versicherungen meiden oder AIS-Signale manipulieren, um sanktionierte Rohölströme schwerer nachvollziehbar zu machen.

Typische Hinweise: längere AIS-Lücken, häufige Flaggenwechsel, sehr alte Schiffe, ungewöhnliche Wartepositionen, Ship-to-Ship-Transfers und Routen, die nicht zur angegebenen Destination passen.

Warum das wichtig ist: Für Marktbeobachter können solche Muster auf Umleitungen, Sanktionsrisiken oder verdeckte Ladungswechsel hinweisen. TankerMap zeigt verfügbare AIS-Positionen und verlinkt betroffene Profile mit der Sanktionsübersicht, wenn öffentliche Listungen vorliegen. Rohdaten können Lücken haben; prüfen Sie kritische Fälle immer mit mehreren Quellen.

7. Starten Sie die Verfolgung auf TankerMap

So starten Sie mit einer sauberen Tanker-Recherche:

1. Karte öffnen — Starten Sie auf der Live-Tankerkarte und prüfen Sie Dichte, Regionen und aktuelle Marker. 2. Nach Segment filtern — Nutzen Sie den Öltanker-Tracker für Rohöl- und Produkttanker oder die LNG-Ansicht für Gastransporte. 3. Schiff suchen — Suchen Sie nach Name oder IMO und öffnen Sie das Profil für Flagge, Typ, DWT, Ziel, Tiefgang und letzte AIS-Zeit. 4. Hafen prüfen — Vergleichen Sie das Ziel mit der Hafenübersicht, etwa bei großen Exportterminals und LNG-Anlagen. 5. Routen einordnen — Nutzen Sie Meerengen-Analytik, um einzelne Bewegungen in den Kontext von Hormus, Suez oder Malakka zu setzen. 6. Marktkontext lesen — Ergänzen Sie die AIS-Beobachtung mit Marktdaten und aktuellen Nachrichten.

TankerMap ist kostenlos, öffentlich zugänglich und erfordert keine Registrierung. AIS-Daten können verzögert oder unvollständig sein; für operative Entscheidungen sollten Sie immer zusätzliche Quellen prüfen.